Atomstrom ist sehr teurer Strom. Durch die Monopolisierung diktieren die 4 großen Energiekonzerne stark überhöhte Preise. Infolgedessen wiesen sie in den letzten Jahren zusammen jährlich bis zu 20 Milliarden € als Gewinn aus – Geld, das sie uns Verbrauchern enteignet haben. Durch viele neue von diesen unabhängige Anbieter, die alternative Energieformen liefern, werden die Preise unter Druck kommen und sinken können.
siehe auch:
- Stromkonzerne verdienen 100 Milliarden Euro seit 2002 (21.10.2019)
- Greenpeace: Kernkraft seit 1950 mit mehr als 200 Milliarden Euro gefördert (18.10.2010)
jW 06.04.2011
»Die Preise für Strom müßten eigentlich sinken«
Die Energiekonzerne denken aber nicht daran. Sie verlegen sich lieber auf Panikmache unter Verbrauchern.
Peter Wolter spricht mit Aribert Peters. (Dr. Aribert Peters ist Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher.)
jw: Nachdem jetzt sieben alte Atomkraftwerke (AKW) vorübergehend stillgelegt wurden, drohen die Energiekonzerne damit, daß der Strom teurer wird. Um wieviel Prozent, schätzen Sie?
A. P.: Wir rechnen nicht damit, daß durch die AKW-Stillegung Strom teurer wird – im Gegenteil, die Preise müßten sinken.
Das haben verschiedene Gutachten belegt, die während der Diskussion über die Laufzeitverlängerung erstellt wurden.
Was die Verbraucher letztlich bezahlen, sind ja nicht die Kosten für die Stromerzeugung, sondern der Preis am Stromgroßmarkt. Und der ist ist kein Kosten-, sondern ein Marktpreis, den die vier großen Energiekonzerne diktieren, die über 80 Prozent des deutschen Stroms erzeugen. Wenn AKW abgeschaltet werden, wird der Wettbewerb intensiver – die Großhandelspreise müßten sinken.
Also sind die Ankündigungen der großen Konzerne falsch?
Das ist eine politische Aussage: Die Konzerne wollen die Verbraucher nämlich ängstigen. Das lief bei den Umlagen für erneuerbare Energie genau so ab: Auch dabei wurden die Kosten viel zu hoch geschätzt, um politischen Druck gegen den Ausbau dieser alternativen Stromerzeugung aufzubauen.
Schuld an den hohen Strompreisen sind weder die erneuerbaren Energien noch der Ausstieg aus dem Atomstrom. Die Verantwortung haben einzig und alleine die Betreiber der AKW, deren Gewinne in den vergangenen fünf Jahren um ein Vielfaches gestiegen sind und jetzt bei 20 Milliarden im Jahr liegen.
Die Konzerne werden also alles tun, um die Preise hochzuhalten. Wenn allerdings die alternativen Kraftwerke – die anderen Betreibern gehören! – den Strommarkt bedienen werden, dürften die Preise wohl näher an die tatsächlichen Kosten herankommen.
Ein Argument der Energiekonzerne ist, daß in Deutschland der Strom knapp wird, wenn die sieben AKW abgeschaltet bleiben.
Auch das ist unglaubwürdig. Zahlreiche Studien belegen, daß eine solche Behauptung keine sachliche Grundlage hat.
Jetzt hat aber der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft auf der Hannover-Messe erklärt, die Energieimporte – vor allem aus Tschechien und Frankreich – seien seit dem Beschluß, die sieben AKW stillzulegen, drastisch gestiegen.
Selbst wenn das stimmen sollte, würde es nichts daran ändern, daß Deutschland in den vergangenen Jahren in großem Maße Strom exportiert hat. Und diese Exporte schrumpfen natürlich, wenn Krafwerke stillgelegt werden. Auch das ist aber kein Grund zur Beunruhigung – es ist doch nichts Schlimmes daran, wenn Strom zur Abwechslung mal importiert wird.
Die Deutsche Energieagentur warnt davor, daß eingemottete Kohlekraftwerke wieder aktiviert werden müssen. Wie realistisch ist das?
Es spricht doch niemand davon, daß von heute auf morgen alle deutschen AKW stillgelegt werden. Sämtliche vernünftigen Überlegungen gehen davon aus, daß bis 2020 alle AKW abgeschaltet werden. Damit wäre genügend Zeit, diejenigen Kraftwerksprojekte, die seit Jahren in Planung sind, zu realisieren.
Der RWE-Manager Fritz Vahrenholt warnt davor, daß vor allem in Süddeutschland »Industriebetriebe und vielleicht sogar ganze Städte abgeschaltet werden müssen«. Muß man das unter Panikmache abbuchen?
Herr Vahrenholt sollte sich zu schade dafür sein, den eigenen Gewinnforderungen dadurch Nachdruck zu verleihen, daß er die Menschen in Angst versetzt.
Haben Sie eine Zahl parat, wieviel die großen Energiekonzerne mit der Atomenergie schon verdient haben?
Schätzungen gehen von etwa 20 Milliarden Euro im Jahr aus. Und diese Zahl ist durchaus realistisch, wenn man sie mit den drastischen Gewinnsteigerungen der Energiekonzerne in den vergangenen Jahren vergleicht.
Es gibt Untersuchungen, die belegen, daß die Atomkraft mit zwei- bis dreistelligen Milliardensummen aus öffentlichen Mitteln gefördert wurde und daß die Betreiber der AKW exorbitant Geld verdient haben. Da wurden Gewinne vereinnahmt, die auf Kosten und zu Lasten der öffentlichen Hand gehen – das heißt, die Steuerzahler wurden enorm zur Kasse gebeten.”